Diese wundervolle Einsamkeit

Mein erster Beitrag in diesem Blog dreht sich um einen morgendlichen Ausflug zum Eibsee. Eine kurze Wertschätzung der Natur, des Frühlings und der Berge.

Ich sitze auf einem umgekippten Baumstamm am Ufer, mein Stativ vor mir aufgestellt, und überlege, wann ich das letzte Mal so vollkommen allein durch die Natur gewandert bin.  Zu hören ist nur das Zwitschern der Vögel und das Knacken und Plätschern des schmelzenden Schnees. Einsamkeit ist hier etwas Schönes – eine Möglichkeit, die Natur vollkommen zu genießen. An einem Baum neben mir klettert ein Eichhörnchen – ohne mich zu bewegen, beobachte ich es leise. Es hat sich gelohnt, um 5 Uhr morgens aufzustehen, um aus dem Zentrum von München an den Eibsee zu fahren. Früh morgens ist die Natur so ruhig und friedlich. Außerdem ist der Eibsee nicht gerade ein Geheimtipp: Am Vormittag rollen hier einige Reisebusse an, bis dahin will ich weg sein. Während ich meine neue Kamera ausprobiere, genieße ich den Blick auf die Zugspitze, den höchsten Berg Deutschlands. Ich bin nicht zum ersten Mal in den Bergen, dennoch beeindruckt mich die Aussicht. In meiner Heimat, dem südlichen Münsterland an der Grenze zum Ruhrgebiet, ist das Land flach, die Natur eher eintönig. Umso mehr freue ich mich, die Zeit, die ich derzeit wegen eines Praktikums in München verbringe, nutzen zu können, um die bayerische Landschaft zu erkunden. Nach einer kurzen Pause geht meine Wanderung weiter: Durch einen kleinen Wald führt der Rundweg etwas vom See weg. Durch die Tannen fallen die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Nach wie vor bin ich keiner Menschenseele begegnet. Von weitem höre ich das Rauschen eines Wasserfalls. Als ich um die Ecke biege, sehe ich: Der Wasserfall ist kleiner als gedacht, das laute Rauschen täuscht. Dennoch nutze ich die Gelegenheit, um mit der Langzeitbelichtung das fließende Wasser einzufangen.

Aufgenommen mit: Canon EOS 6D Mark II. Einstellungen: 40mm · ISO 100 · f/22 · 2,5 Sek.

Da in den Bergen momentan viel Schnee schmilzt, ist der kleine Wasserfall gut gefüllt. An einem kleinen Teich im Wald ist das Eis bereits geschmolzen: In dem türkisgrünen, kristallklaren Wasser spiegelt sich die aufgehende Sonne. Das Wasser des Eibsees ist genauso klar – soweit ich das von Fotos im Internet und auf Instagram beurteilen kann, denn bei meinem Besuch ist der See noch gefroren. Schade, denke ich erst, ich hätte gerne die fantastische Spiegelung für tolle Fotomotive genutzt. Doch mit ein wenig Kreativität fallen mir auch andere Ideen ein. Die feinen Rinnen und Strukturen im schmelzenden Eis sehen zum Beispiel toll aus. Nachdem ich ein paar Bilder auf dem Boden gemacht habe, sind meine Füße nass und meine Jeans an den Knien dreckig – manchmal muss man beim Fotografieren eben vollen Körpereinsatz zeigen!

Ich wandere weiter, nutze mein Stativ als Gehstock und schaue mich weiter nach tollen Motiven um. Währenddessen genieße ich die Stille und den Duft des Waldes, den ich aufgrund meines Bürojobs und, zugegeben, wegen der Liebe zu meinem Sofa und meinem Laptop, schon so lange nicht mehr gerochen habe. Schon bald kommen mir die ersten Menschen entgegen. Jogger, Spaziergänger mit Hund und andere Fotografen, die den Rundweg offensichtlich in die andere Richtung eingeschlagen haben. Es ist 9 Uhr – kaum zu glauben, dass ich schon seit vier Stunden auf den Beinen bin. Als ich zum Parkplatz komme, erschrecke ich kurz. Als ich aufgebrochen bin, standen zwei Autos neben mir. Nun herrscht das reinste Chaos, ein Stau reicht bestimmt 500 Meter weit, und viele Menschen laufen hektisch umher. Ich wusste nicht, dass direkt neben dem Eibsee ein beliebtes Skigebiet liegt (mit diesem Sport kann ich so rein gar nicht anfangen). Für mich ist das Chaos jedoch noch eine Bestätigung, dass es sich häufig lohnt, so früh aufzustehen.

Tipps für Fotografen: Wenn ihr zum Sonnenaufgang am Eibsee seid, lauft den Rundweg entgegen der ausgeschilderten Richtung. So kommt ihr zuerst an die Nordseite des Sees und könnt einfangen, wie die Berggipfel der Alpen von der aufgehenden Sonne angestrahlt werden. Da die meisten Leute den Schildern folgen, seid ihr außerdem längere Zeit für euch allein. Und auch wenn es auf einer langen Wanderung lästig sein kann: Nehmt euer Stativ mit, spätestestens bei den kleinen Wasserfällen werdet ihr es sonst bereuen.

3 Kommentare zu „Diese wundervolle Einsamkeit

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